Friday, September 30, 2016

Nach 93 Jahren: Erdogan hinterfragt Vertrag von Lausanne – Athen reagiert empört

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat bei einem Treffen mit Dorf- und Gemeindevorstehern den Vertrag von Lausanne aus dem Jahr 1923 als eine Niederlage für sein Land bezeichnet.



 Das griechische Außenministerium sieht diese Aussage als einen Versuch Ankaras, die Grenze zwischen den beiden Staaten in Frage zu stellen.

Der Vertrag von Lausanne wurde am 24. Juli 1923 zwischen der Türkei und mehreren Staaten aus West- und Osteuropa unterzeichnet. Er legte die neuen Grenzen der Türkei nach dem Ersten Weltkrieg und dem Griechisch-Türkischen Krieg fest. Auch die aktuelle Grenze zwischen Griechenland und der Türkei basiert auf dessen Bestimmungen.

Am Donnerstag hatte Erdogan erklärt, dass der Vertrag von Lausanne eine Niederlage für die Türkei sei, die „uns“ aufgezwungen wurde. Die Türkei hätte damals einige Inseln in der Ägäis an Griechenland abgetreten, „die in unserer Rufweite liegen“, sagte der Präsident und fügte hinzu, dort würden sich „unsere Moscheen und unsere Heiligtümer“ befinden.
„Wir kämpfen bis heute um den Schelf. Die Probleme sind wegen derjenigen entstanden, die am Tisch in Lausanne saßen und unsere Rechte nicht verteidigen konnten“, so Erdogan. 

Das griechische Außenministerium hat daraufhin gefordert, den Vertrag von 1923 zu achten.

„Der Vertrag von Lausanne und das Völkerrecht sind die Realität der zivilisierten Welt. Niemand, auch nicht Ankara, kann sie leugnen. Alle müssen sie respektieren“, zitieren griechische Medien eine Erklärung aus den diplomatischen Kreisen in Athen.

Darüber hinaus haben alle griechischen Parteien die Stellungnahme Erdogans kommentiert und sie als gefährlich und provokativ bezeichnet. Sie seien ein Teil der systematischen Bemühungen der türkischen Regierung, das Hoheitsrecht Griechenlands auf die Inseln in der Ägäis zu hinterfragen. Es sei Absicht, heißt es, dass der türkische Staatschef ausgerechnet jetzt seine Erklärung gemacht habe, wo die Zypern-Verhandlungen in eine neue Runde gegangen seien und die Flüchtlingsproblematik so aktiv diskutiert werde.
[de.sputniknews.com]
30/9/16
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